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26 / 27 Juni 2021
04. August 2013

Amt Gebhardshagen um 1802 | Geographisch statistische Beschreibung

Geographisch statistische Beschreibung der Fürstenthümer Wolfenbüttel und Blankenburg

 

Gr. Herzoglichen Durchlaucht

Herrn Karl Wilhelm Ferdinand regierendem

Herzoge zu Braunschweig-Lüneburg

unterthänigst gewidmet.

 

Das Amt Gebhardshagen grenzt gegen N mit dem Residenzamte und Gerichte Saldern, gegen O und W. mit dem Amte Lichtenberg, und gegen S. mit dem Hildesheimschen Amte Liebenburg. Gebhardshagen ist gleichfalls ein Patrimonialamt des Fürstl. Hauses, welches in älteren Zeiten einmal von den Tempelherren besessen ist, aber nach der Ausrottung dieses Ordens beständig einen integrirenden Theil des Fürstenthums ausgemacht hat. Der Sitz des Justizamts, welches um 1650 errichtet zu sein scheint, indem vor dieser Zeit die Dörfer Lobmachtersen, Calbecht, Heerte und Leinde zum Amte Lichtenberg gehört haben, ist zu Gebhardshagen, und die Domanialgüter werden von dem Kammeramte daselbst verwaltet.

Seine Gerichtsbarkeit erstreckt sich über 5 Dörfer, worin 1793 1 Kammeramt, 5 Kirchen, 3 Pfarren, 3 Pfarrwitwenhäuser, 5 Opfereien und Schulen, 1 Schriftsassenhof, 15 Ackerhöfe, 13 Halbspännerhöfe, 143 Roshöfe, 50 Brinksitzerstellen, 5 Wasser und 1 Windmühle, 246 Feuerstellen und 1948 Einwohner sich befanden, 1799 aber 250 Feuerstellen und 1955 Menschen gezählt wurden.

Seine sämtlichen Feldmarken halten 806 Morgen Acker.


Gebhardshagen, ein Pfarrdorf in einer angenehmen Gegend in der Mitte von dem Hardewege, Hagen und Strauchholze, und an der Mindenschen Heerstraße, etwa 3 Stunden im S.W. von Wolfenbüttel, mit dem Justizamte, den Haushaltungsbebäuden des Pachtamts, 1 Kirche, 1 Pfarre, 1 Opferei, 3 Ackerhöfen, 32 Kochöfen, 38 Brinksitzerstellen, 79 Feuerstellen und 600 Einwohnern.

Mit der Pfarre ist Calbecht und Engerode affiliirt. Sie wird von dem Landesherren einmal, von dem Herrn von Brabeck aber zweimal besetzt; den Opfereidienst vergibt das Konsistorium.

Die Fuse begrenzt die Feldmark des Dorfes.

Ein Waldbach der aus dem Hardewege herabströhmt, treibt 4 oberschlächtige erbenzinspflichtige Mahlmühlen, wovon eine 2 Mahl und 1 Dehlgang, und die beiden andern jede 1 Mahlgang hat.

Das Amt war ehemals eine Wohnung der Tempelherrn.

Zu dem Haushalte desselben gehören 618 Morgen 60 Ruthen zehntfreie und 134 Morgen zehntpflichtige Länderei, 73 Morgen Wiesen, 17 Morgen Gärten und 23 Morgen 90 Ruthen Teiche.


Calbecht, ein Kirchdorf und Tochter von Gebhardshagen, nur 1/2 Stunde davon entfernt, hat mit 1 Kirche, 1 Pfarrwitwenhaus, 1 Schule, die Prediger und Gemeinde besetzen, 2 Ackerhöfe, 18 Roshöfe, 3 Brinksitzerstellen, 26 Feuerstellen und 200 Einwohner.

Das Holz nimmt die Gemeinde aus dem Strauchholze.


Heerte, ein Kirchdorf und Tochter von Lobmachtersen, 4 Stunden von Wolfenbüttel und 3/4 Stunden von Gebhardshagen an der Fuse, mit einem Schriftsassenhofe, 1 Kirche, 1 Schule, die das Konsistorium besetzt, 2 Ackerhöfen, 4 Halbspännerhöfen, 40 Roshöfen, 1 Brinksitzerstelle, 55 Feuerstellen und 500 Einwohnern. Der von Münchhausensche, vorhin Bielsteinsche, Schriftsassenhof, wozu 211 Morgen 90 Ruthen zehntbare, und 6 Morgen zehntfreie Länderei, 3 Gärten, 20 Fuder Wiesewachs, die Schäferei und 5 Holztheilungen gehören, besteht aus 2 1/2 Ackerhöfen, wovon der eine ein Crammescher Erbzins – und der andere ein Saldernscher Lehnhof ist. Der zu letzterem gehörige halbe Ackerhof ist lasttragend.
Bei Heerte haben die im 30 jährigen Kriege zerstörten Dörfer Klein- und Kirchheerte gelegen, deren Bewohner zum Theil nach Heerte, zum Theil nach Gebhardshagen eingewandert sind.


Leinde, ein Pfarrdorf unter dem Oder, zu dem Watenstedt als Tochter gehört.

Es liegt an dem schwarzen Wasser, etwa 2 Stunden von Gebhardshagen, und zählt 1 Kirche, 1 Pfarre, 1 Pfarrwitwenhaus, 21 Roshöfe, 4 Brinksitzerstellen, 38 Feuerstellen und 289 Einwohner.

Patron der Pfarre ist der Landesherr; den Opfereidienst vergibt das Konsistorium. Vor dem Dorfe steht eine Windmühle.
Zwei Forellenteiche vor dem Oder gehören der Kammer.
Auch werden daselbst Steine für den Chaussebau gebrochen.
Das Dorf hat eine ergiebige Feldmark und reiche Einwohner.


Lobmachtersen oder gr. Machtersen, ein Pfarrdorf an der Fuse und unter dem Strauchholze, etwa 1 3/4 Stunden von Wolfenbüttel.
Es hat 1 Kirche, 1 Pfarre, 1 Pfarrwitwenhaus, 1 Opferei, 5 Ackerhöfe, 5 Halbspännerhöfe, 32 Roshöfe, 4 Brinksitzerstellen, 52 Feuerstellen und 366 Einwohner.

Die Pfarre vergibt die Gemeinde, den Opfereidienst der Prediger.

Vor dem Dorfe wird von den Mühlen und Calbechtschen Bache eine oberschlächtige Mahlmühle mit 1 Gange getrieben.
In dem benachbarten Strauchholze hat die Gemeinde vortreffliche Eichenkämpe.

 

Von G. Hassel und R. Bege

1802

 

Ein Ausschnitt des Buches über das Amt Gebhardshagen.

Abschrift aus dem altdeutsch geschriebenen Buch.