logo.verein.burg

Logo Sgh rot für link kl
27 / 28 Juni 2020
13. Oktober 2016

Kampf um das Erbe der Herren von Hagen

Wer den früheren Ortsbürgermeister Karl-Heinz Bremer auf seinem Rundgang durch die Gebäude der bis zu 800 Jahre alten Wasserburg begleitet,

der spürt, wie unermüdlich der 76-Jährige um die Bewahrung dieses kostbaren Stücks Heimatgeschichte kämpft. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern Karl-Heinz Rudolph (68) und Lotar Magalowski (66) vom Vorstand des Fördervereins sorgt er seit 18 Jahren dafür, dass das Erbe der Herren von Hagen vor dem Verfall gerettet wird. Doch die größtenteils in Eigenarbeit geleistete Sanierung des Herrenhauses dürfte das Schlusskapitel ihres Einsatzes für die markante Burg gewesen sein.

Eine Rentnerbank, die Bremer für sich und Magalowski im Herrenhaus aufstellen ließ, symbolisiert den Generationenwechsel, den das Trio an der Vereinsspitze anstrebt. „Wir sind müde“, bekennt der 76-Jährige, wenn er an die anfangs von Schülern, später von Ein-Euro-Kräften unterstützte tägliche Arbeit zum Wiederaufbau des Pferdestalls (1999-2009) und zu Komplettsanierung des Herrenhauses (2009-2016) denkt. In enger Zusammenarbeit mit dem heutigen Eigenbetrieb für Gebäudemanagement, Einkauf und Logistik haben die ehrenamtlichen Geschichtsbewahrer nach eigenen Angaben rund 40 Prozent des zum Teil arg ramponierten Ensembles erneuert. Rund 60 000 Euro investierte der Förderverein in die Erhaltung, rund eine Million Euro die Stadt. Hätte die Kommune die Arbeit des Fördervereins per Ausschreibung an Fachfirmen vergeben, dann hätte sie mindestens 5 Millionen Euro drauflegen müssen, ahnt der Maurermeister, Bautechniker und frühere BBS-Lehrer Magalowski.

1999 standen sie vor einem Trümmerhaufen. 80 Container Natursteine schafften BBS-Schüler und weitere Helfer um Bremer und Magalowski aus dem Urwald-Dickicht hinter dem allmählich verfallenden Pferdestall, dann begann mit Dachsanierung und Fachwerk-Sanierung der Wiederaufbau. „Alles sah erbärmlich aus“, erinnert sich Bremer. Doch er warf nicht hin, sondern machte weiter. Tatkraft, die 2013 mit der Verleihung der Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland anerkannt wurde.

Inzwischen ist der zum Veranstaltungsort umgebaute Pferdestall gerettet, ebenso das Hofmeisterhaus samt einstigem Stallgebäude für Ochsen und Kutschpferde, das dem Sportverein Glück Auf als Geschäftsstelle dient. Schon 1988 entstand neben der Zufahrt im Osten die Sporthalle. Frisch saniert hat der Förderverein das rund 350 Quadratmeter große Erdgeschoss des Herrenhauses. Hier tagen Vereine und der Ortsrat, hier finden Privatfeiern und Seminare statt, lassen sich jährlich bis zu sieben Paare im Beisein einer aus China importierten Ritterrüstung trauen. Wie das ausbaureife Obergeschoss genutzt werden soll, prüft derzeit die Stadt.

Die übrigen historischen Gebäude halten Bremer und seine 110 Helfer zumindest trocken. Hier finden sich hinter den Toren des Schafstalls bis zu 70 Jahre alte Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr. Wie der benachbarte Kuh- und Schweinestall besticht das um 1800 auf der Westseite entstandene Gebäude durch Bruchsteinmauern, durch Ecken, Türen und Fenster, die mit Sandsteinquadern eingefasst sind. Wenige 100 Meter weiter schützt westlich vom Torhaus die 30 Meter lange Burgscheune massives Original-Mauerwerk aus der vermutlichen Gründerzeit der Burg.

Am deutlichsten wird der unaufhaltsame Verfall der Burggebäude im 23 Meter langen und bis zu 7,70 Meter breiten Torhaus. Dort, wo eine zwölfstufige Freitreppe in die früheren Gerichts- und Verwaltungsräume des Amtes Gebhardshagen führt, fault die Holzdecke, pellen sich Tapeten ab, modert Lebensstil von einst.

Es gibt also noch viel zu tun für den Förderverein. Doch der setzt angesichts der miserablen Finanzlage der Stadt auf weiteren Wiederaufbau in kleinen Schritten. So hofft Magalowski auf die geplante Erlebniswelt, einen Abenteuerspielplatz, der nahe der historischen Burg entstehen soll (SZ berichtete). Leerstehende Scheunen eigneten sich gut für Gastronomie oder Sanitäranlagen, ahnt er. Zudem schlägt die Stadt als Standort für eine neue Rettungswache Gebhardshagen vor. „Die Burg ist bereits im Gespräch“, freut sich Magalowski.

Doch was auch immer künftig mit der Burg geschieht: Die Drei vom Förderverein werden ein waches Auge darauf haben.