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Sgh 2020
27 / 28 Juni 2020

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Statius Hagemann, Amtmann und Erbauer - Lattemannsches Haus

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Kategorie: Chronik

Statius Hagemann leitete im 17. Jahrhundert das Amt Gebhardshagen welches in der Burg seinen Sitz hatte. Zwischen 1539 und 1807 übte das Amt die Gerichtsbarkeit über mehrere Dörfer aus. Die letzte Hinrichtung war 1750.

Der Amtmann Statius Hagemann ließ 1636 ein repräsentatives Fachwerkhaus errichten, dass eher städtisch-bürgerliche Züge trägt.

Das Haus steht unter Denkmalschutz und gehört zu den beeindruckendsten Fachwerkgebäuden in Salzgitter und zu den ältesten Gebäuden in Gebhardshagen. Das Haus entstand vermutlich auf einem älteren, tonnenförmigen Kellergewölbe als hohes, landwirtschaftlich nicht genutztes Fachwerkhaus.

Das hervorkragende Stockwerk ruht auf schweren Eichenständern und zeigt eine Innschrift im Schwellbalken. Die Hausfront ist in zehn Gefache unterteilt, besitzt kunstvoll verzierte Brüstungsbohlen und wird durch zwei Wappen des Erbauerehepaares geschmückt. Das durch eine Querwand in zwei Hälften geteilte Haus besitzt links drei und rechts zwei Stockwerke.

1808 erwarb Johann Lattemann das Haus. Um 1840 befand sich ein Kolonial- und Kurzwarengeschäft in dem Gebäude; seit jener Zeit wird auch vom „Lattemannschen Haus“ gesprochen.

In diesem Haus wurde im Jahre 1852 der Ballonfahrer und Fallschirmspringer Hermann Lattemann geboren, der im Jahre 1894 in Krefeld bei einem Absprung tödlich verunglückte.

Mitte der 1970er Jahre wurden bei Renovierungsarbeiten zahlreiche Gefäßscherben entdeckt. Eine anschließende Grabung erbrachte die Überreste eines Töpferofens, wobei ein in den Hangboden eingetiefter, hufeisen-birnenförmiger Grundriss des Ofens freigelegt wurde und mehrere zum Gelände gehörende Abfallgruben untersucht werden konnten. Diese Töpfereiüberreste datierten den Töpferbetrieb in die Zeit um 1200.

1992 konnten nur wenige Meter entfernt, weitere Bereiche dieser ehemaligen Handwerkssiedlung untersucht werden. Gefunden wurden die abgebrannten Überreste eines Pfostenbaus aus dem 13./14. Jahrhundert. Aus dem Brandschutt wurden auch Metallfunde geborgen.

Diese archäologischen Befunde deuten darauf hin, dass hier Reste eines Wirtschaftshofes oder einer Handwerkssiedlung lokalisieren lassen, deren Bewohner wohl im Dienste des Gebhardshagener Burgherrn standen. Funde, die auf Lederverarbeitung und Stoffherstellung hindeuten, vervollständigen diesen interessanten archäologischen Befundzusammenhang.

Bildhauer und Restaurator Edmund Naumawitsch ist derzeitiger Besitzer des Lattemannschen Haus in der Lattemannsgasse in Gebhardshagen, welches er 1975 gekauft hat und leider etwas aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden ist.

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